Nach Vientiane bin ich mit dem Nachtbus nach Pakse gefahren. Direkt am Bahnhof habe ich Henry kennengelernt, wir haben gemerkt, dass wir denselben Bus nehmen, und ab da Kontakt gehalten, geredet und unsere Pläne ausgetauscht.
Im Bus musste ich feststellen, dass es mit den luxuriösen Bussen aus Vietnam vorbei war. Hier gab es pro Seite ein Doppelbett, das man sich mit einer fremden Person teilt, also noch mal deutlich enger als in Vietnam. Ich hatte zusätzlich Pech: Ich lag ganz hinten in der Reihe, wo fünf Leute nebeneinander lagen, und zwar in der Mitte. Das Einzige, was an dem Platz gut war: Ich konnte die Beine etwas in den Gang strecken, bei meiner Größe essenziell. Nach zwölf Stunden auf sehr unhygienischen, dreckigen Decken war es eine eher unangenehme Nacht, aber ein paar Stunden Schlaf gab es trotzdem.
In Pakse angekommen haben Henry und ich beschlossen, gemeinsam den Bolaven Loop zu fahren, geplant auf drei Tage. Die Roller haben wir bei Miss Noy Motorbike geliehen, dort gab es eine sehr gute Einführung: viele Infos, eine Karte, Tipps zur Strecke. Für 155.000 LAK pro Tag konnten wir den Roller mieten und unser großes Gepäck direkt dort lassen, sodass wir nur das Nötigste für drei Tage mitgenommen haben.
Losgegangen ist es an einem Morgenmarkt, wo wir leckeres Gebäck und ein paar Kleinigkeiten für sehr wenig Geld gekauft haben. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es zu Mr. Vieng, einem Mann mit eigener Kaffeeplantage. Für etwa 100.000 LAK pro Person hat er uns eine Führung gegeben: wie er den Kaffee anbaut, verarbeitet und am Ende daraus das fertige Produkt wird, dazu eine Verkostung verschiedener Sorten. Am Ende haben wir noch ein kleines Armband aus Kaffeebohnen bekommen, das ich danach lange getragen habe.
Besonders cool: Er hat uns Ameisen gezeigt, die ein Gift mit Zitronengeschmack haben, und wir haben mehrere lebende Ameisen auf einmal gegessen. Die haben wirklich nach Zitrone geschmeckt.
Von dort ging es weiter zu den Wasserfällen Tad Lo und Tad Hang, an denen wir vorbeigekommen sind, dazu noch Tad Koo.
Danach sind wir im Dunkeln weitergefahren, was nicht ganz optimal lief, bis wir bei Captain Hook’s Homestay angekommen sind. Das war eine der besten Unterkünfte der ganzen Reise. Wir kamen in einem kleinen Dorf an, sind erst etwas herumgefahren, und im Dunkeln liefen uns auf einmal lauter Kinder mit Taschenlampen entgegen, die uns dann zum Homestay geführt haben. Wir haben schnell gemerkt, dass dort nur Kinder waren, keine Erwachsenen. Normalerweise ist Captain Hook selbst da, aber an dem Abend war er nicht vor Ort. Die Kinder haben uns trotzdem empfangen, uns alles gezeigt und mit uns zusammen gekocht: Reis mit verschiedenem Gemüse und Fleisch, richtig lecker. Danach haben wir noch mit ihnen gespielt und getanzt, bevor sie schlafen gegangen sind. Der Ort ist für die Kinder aus dem Dorf offenbar so etwas wie ein Community-Treffpunkt, an dem sie nebenbei Englisch lernen, und dadurch wird dort vieles von ihnen selbst organisiert. Lustig war außerdem ein zahmer Affe namens England, der dort lebte. Übernachtet haben wir in einer einfachen Holzhütte, für 200.000 Kip pro Person ein fairer Preis. Am Morgen haben uns die Kinder noch Schokoladen-Pancakes gemacht, und ich habe eine ganze Weile mit dem Affen gespielt, bevor es weiterging.
So nah an einem Affen dran zu sein war fast wie ein kleiner Kindheitstraum.
Weiter ging es zu einem Café namens Bolaven Paradise, ein kleines Restaurant am Fluss, geführt von einem deutschen Auswanderer mit seiner laotischen Partnerin. Er hat sich sichtlich gefreut, mal wieder Deutsch sprechen zu können.
Das Essen war richtig gut: sehr guter schwarzer Hummus, dazu Frühlingsrollen und Pommes mit einer sehr guten Sauce. Wir sind zwei, drei Stunden geblieben und haben viel geredet, auch über Laos, die Kultur, die Leute und die korrupten Seiten des Landes. Sehr spannend.
Danach haben wir noch einen Abstecher auf die Phou-Tayoun-Mountain-Extraschleife gemacht, die noch mal richtig schöne Natur zeigt, und sind dann eine lange Strecke gefahren, bis wir am Abend beim Homestay Houy Kong View angekommen sind, einem wirklich guten Ort.
Das letzte Stück dorthin sind wir im Dunkeln ohne Licht gefahren, ziemlich verrückt. Für umgerechnet rund 200.000 Kip für zwei Personen haben wir dort übernachtet, ein super Preis.
Der letzte Tag war komplett verregnet. Wir sind zuerst zu Tad Yuang gefahren, einem Gebiet mit mehreren Wasserfällen, und danach zu Tad Fane, dem mit 80.000 Kip Eintritt recht teuren, aber beeindruckenden Wasserfall.
Da war ich allerdings schon ziemlich durchgefroren. Ein Café namens Cafe Social, bei dem wir eigentlich noch halten wollten, hatte leider geschlossen, also sind wir eine längere Strecke weitergefahren. Starker Regen und Kälte haben uns auf dem Rückweg ziemlich zugesetzt, irgendwann waren wir komplett unterkühlt und durchnässt. Gerettet hat uns Le Deux Soeurs in Paksong. Dort gab es einen kleinen Heizstrahler zum Aufwärmen und etwas zu essen, und wir konnten uns halbwegs trocknen. Weil es inzwischen auch noch komplett neblig war, hätten sich die letzten Wasserfälle der Gegend nicht mehr gelohnt, also sind wir direkt zurück zum Verleih gefahren, auch weil es für Henry am Abend nach Hause ging. Die übrigen Wasserfälle der Gegend haben wir dadurch ausgelassen.
Es war trotzdem eine richtig spannende, abenteuerliche und gute Zeit, und ich habe Henry danach vermisst. Ich selbst bin noch zwei Nächte in Pakse geblieben, im Sanga Rooftop Hostel, um mich noch mal in Ruhe zu erholen. Von der Dachterrasse aus gab es sehr schöne Sonnenuntergänge, und auch sonst in der Stadt habe ich noch gutes Essen gefunden.
Als Nächstes ging es für mich weiter nach Don Det.
🍽️ Food-Spots
Kleines Café/Restaurant am Fluss, deutscher Besitzer mit laotischer Partnerin. Schwarzer Hummus, Frühlingsrollen und Pommes, alles sehr gut.
Rettung bei Regen und Kälte auf dem Rückweg: Heizstrahler zum Aufwärmen und etwas zu essen.