Ich bin nach Shanghai gefahren, weil meine Freunde mir kurz vor meinem letzten Tag in Shenzhen gesagt haben, dass sie doch noch nachkommen. Klang einfach. War es nicht. Wegen der chinesischen Schulferien gab es kaum noch Tickets. Flüge weg, Schnellzüge ausgebucht. Was noch übrig war: ein Slow Train, ohne feste Sitzreservierung, 19 Stunden.
Den habe ich genommen.
Auf dieser Fahrt habe ich Jiang Yun kennengelernt. Wir haben die ganze Nacht zusammen verbracht, Bier gegen Bier, er mir was ausgegeben, ich ihm, er wollte mir ständig Essen kaufen und kein Nein akzeptieren. Irgendwann haben wir zu dritt auf einer kleinen Bank gegessen, komplett zusammengequetscht. Die Unterhaltung war kaum möglich, die Stimmung trotzdem gut. Das ist eigentlich das Beste an solchen Fahrten.
Geschlafen habe ich so gut wie gar nicht. Als wir morgens ankamen, war ich komplett fertig. Dann noch anderthalb Stunden Metro und zu Fuß bis zur Unterkunft. Ich bin direkt ins Bett gefallen. Das Duoyuan Hostel hatte ein Achtbettzimmer für 8 Euro die Nacht. Geräumig, das schon. Aber für China-Verhältnisse war das eher teuer, die Atmosphäre war komisch und sozial war da nicht viel. Zwei von fünf.
Um 14 Uhr wieder wach. Um 18:30 Uhr schon draußen.
Meine Freunde haben im Hyatt im Jin Mao Tower gewohnt, 46. Stock, direkt neben dem SWFC, dem Gebäude, das wie ein Flaschenöffner aussieht. Der erste Blick von dort auf die Stadt war wirklich verrückt. 38 Grad draußen, aber dafür eine Klimaanlage, die man auch wirklich spürt.
Mit der Fähre sind wir dann rüber auf die andere Seite des Huangpu gefahren und hatten von dort den besten Blick auf die Pudong-Skyline. Der Oriental Pearl Tower mit seiner runden Kugel sieht von da aus besonders verrückt aus.
Den Abend haben wir beim Fuxing Noodle King angefangen, Michelin-empfohlen, Tomatennudeln mit dünnen bissfesten Nudeln für sehr wenig Geld. Sehr gut.
Danach haben wir Stinkenden Tofu probiert. Das war eine Herausforderung. Geruch kaum auszuhalten, Geschmack nicht besser. Wir haben es versucht. Das reicht.
Dann sind Tade und ich in den Fuxing INS gegangen, ein Gebäudekomplex mit sieben verschiedenen Clubs auf mehreren Etagen. Ein Eintritt für 25 Euro, ein Freigetränk pro Club und auf Etage 5 unbegrenzte Freigetränke. Das haben wir ausgenutzt. Bis 5:30 Uhr morgens.
Am nächsten Tag waren wir entsprechend erst um 16 Uhr wieder auf den Beinen. Danach sind wir in Richtung Xintiandi gegangen, zum Gründungsort der KPCh. Dass die Kommunistische Partei Chinas genau dort gegründet wurde und heute Boutiquen und Restaurants daneben stehen, ist schon eine eigene Geschichte. Dann durch das Französische Viertel, das wirklich eine Empfehlung ist. Ruhiger, grüner, andere Atmosphäre als der Rest der Stadt.
Weiter vorbei an der Shanghai Grand Theater und am Shanghai History Museum mit seinem Uhrenturm. Das Gebäude war früher ein Rennclub und sieht auch von außen schon besonders aus. Abends dann Ente mit Reis und danach noch das New World City, ein Einkaufszentrum, das hauptsächlich für seine riesige Kletterwand bekannt ist.
Am nächsten Tag waren wir im Shanghai Museum am People’s Square. Zu der Zeit lief dort eine Terrakottaarmee-Ausstellung. Gut besuchte Zeit drin.

Den letzten gemeinsamen Abend haben wir auf der The Captain Bar ausklingen lassen, dem Rooftop vom Captain Hostel auf der Fuzhou Road, direkt am Bund. Einer der besten Ausblicke auf die Skyline, die ich in Shanghai gesehen habe. Danach zum ersten Mal Mixue probiert, die chinesische Bubble-Tea-Kette, die an jeder zweiten Ecke ist. Günstig und gut. In den nächsten Wochen wurde das der Standard.
Meine Freunde sind am nächsten Morgen nach Deutschland geflogen. Ich hatte noch einen letzten Tag und habe ihn im Fuxing Park verbracht, einem französisch angelegten Park mitten in der Stadt, mit Gärten und Karl-Marx-Statue. Vorher noch kurz durch den Yu Garden, den klassischen chinesischen Garten mit Lotusteich und alter Architektur. Dort trifft man regelmäßig Leute in traditionellen Hanfu-Kostümen.

Am Abend dann weiter, per Schlafzug nach Wuhan.
🍽️ Food-Spots
Michelin-empfohlen. Tomatennudeln, dünn, bissfest, viel Umami. Für den Preis sehr gut.
Google Maps öffnenGeruch war kaum auszuhalten, Geschmack nicht besser. Einmal probiert, das reicht.
Chinesische Bubble-Tea- und Eis-Kette. Erstes Mal probiert. Günstig, gut, wird in den nächsten Wochen zum Standard.
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